Kommentar: Eine Toolbox für die Stromnetze

Quelle: Agora Energiewende und Energynautics (Januar, 2018)

In der Studie „Toolbox für die Stromnetze – Für die künftige Integration von erneuerbaren Energien und für das Engpassmanagement“ im Auftrag von Agora Energiewende, werden netzseitige Maßnahmen für eine optimale Ausnutzung der bestehenden Stromnetze und für die Integration erneuerbarer Energien analysiert. Die Maßnahmen werden im Rahmen einer Toolbox, die kurz- und langfristige Schritte beinhaltet, dargestellt.

Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse aus Sicht von E-Bridge als Zusammenfassung dargestellt:

  1. Bisher sind nur 850 Kilometer der geplanten 7.700 Kilometer an Netzausbau- und Netzverstärkungsmaßnahmen aus dem Bundesbedarfsplangesetz und dem Energieleitungsausbaugesetz auf Übertragungsnetzebene implementiert.
  2. Im Fall von Netzengpässen müssen die Netzbetreiber Maßnahmen wie Redispatch und Einspeisemanagement realisieren. Das Volumen dieser Redispatchmaßnahmen hat sich in 2015 im Vergleich zum Vorjahr auf 16.000 GWh verdreifacht.
  3. Durch einen flächendeckenden Rollout von Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseilen sowie dem gezielten Bau von Phasenschiebern zur Lastflusssteuerung, soll kurzfristig eine Auslastung der Netze gewährleistet werden. Darüber hinaus soll durch Speicher die Effizienz bei der Netzengpassbewirtschaftung erhöht werden.
  4. Es ist essentiell, dass Maßnahmen zur Steigerung der Kapazitäten im Bestandsnetz eine größere Bedeutung zukommt. Dies soll sichergestellt werden, indem Bundesnetzagentur und Netzbetreiber Roadmaps für die flächendeckende Einführung der Maßnahmen vereinbaren und klar terminieren.
  5. Längerfristig soll eine innovative und automatisierte Systemführung eine höhere Auslastung der Stromnetze ermöglichen. Durch automatisierte, schnelle Steuerungszugriffe sollen schnelle Reaktionszeiten ermöglicht werden und zusammen mit Online-Dynamic Security Assessment einen reaktiven, fehlerbasierten Redispatch erlauben.

Einordnung durch Dr. Vigen Nikogosian, Principal Consultant, E-Bridge Consulting

Stromnetze stellen einen der wichtigsten Pfeiler der Energiewende dar – ohne funktionsfähiges Netz kann eine erfolgreiche Dekarbonisierung nicht gelingen. Dass der Netzausbau jedoch ein Sorgenkind der Politik und der Energiewende ist, kann man beinahe täglich der Presse entnehmen. Nur selten sind Erfolge zu vermelden. Der Netzausbau hinkt der gewünschten Energietransformation hinterher und die Kosten für das Engpassmanagement im Netz schnellen kontinuierlich in die Höhe. Kurzfristig umsetzbare Lösungen müssen her, die das Netz effizienter auslasten und mehr Transport ermöglichen. Die „Toolbox für Stromnetze“ stellt eine Sammlung potenzieller Instrumente vor. Auch einige weitere Studien zeigen ähnliche Möglichkeiten auf. Allen gemein ist die Empfehlung zur Implementierung von Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseilen, gezielter Bau und Einsatz von Phasenschiebern sowie der Einsatz von Speichern bei der Netzengpassbewirtschaftung. Im Rahmen der Studie zur Ausgestaltung von Stromgebotszonen (LINK) im Auftrag vom BMWi hat E-Bridge gemeinsam mit Projektpartnern vor allem den Einsatz von Phasenschiebern sehr intensiv untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass bei einer geschickten Platzierung von Phasenschiebern diese zu einer deutlich effektiveren Auslastung der Netze führen können. Hierdurch lassen sich auch die Engpassmanagementkosten signifikant reduzieren. Als Ergebnis der Untersuchung haben die Übertragungsnetzbetreiber im Rahmen des Netzentwicklungsplans 2030 (2017) nun weitere sechs Phasenschiebertransformatoren der Bundesnetzagentur zur Prüfung vorgeschlagen.

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