Kommentar: „Asset Management von Versorgungsnetzen. Eine Studie zum Reifegrad unter Netzbetreibern der D-A-CH-Region“

Quelle: PwC (Dezember, 2017)

Die Herausforderungen der Netzbetreiber sind in den letzten Jahren enorm gestiegen, was sich in einem anhaltenden Kostendruck, einer Komplexität der Versorgungsaufgabe und einer Erhöhung der Risiken für die Versorgungssicherheit zeigt. Um auf diese Umwälzungen adäquat zu reagieren und bewältigen zu können, gibt es für die Netzbetreiber das Asset Management. PwC hat dazu eine Umfrage zum Reifegrad der Asset-Management-Systeme unter den ca. 150 größten Netzbetreibern der D-A-CH-Region durchgeführt, von denen 53 Unternehmen teilgenommen haben (36 %).

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Résumé der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

  1. Betriebsmodell: Grundlage für ein Asset-Management-System ist i.d.R. die Zuweisung der Rollen Asset Owner, Asset Manager und Asset Services. Bei ca. 50 % der Teilnehmer ist die Rolle des Asset Owner der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand zugewiesen. Das Asset-Management beinhaltet bei den meisten Unternehmen die Netzführung und wird als Kernkompetenz eines Netzbetreibers verstanden.
  2. Methoden und Tools: Zu den wichtigsten Methoden gehören eine Zielsetzung und Planungsgrundsätze sowie eine Erneuerungsstrategie und eine Priorisierung von Erneuerungsmaßnahmen. 79 % der Teilnehmer mit Hochspannungsnetzen gaben an, dass sie regelmäßig eine Zielnetzplanung durchführen (81 % mit Mittelspannungsnetzen). 92 % der Teilnehmer ermitteln den langfristigen Erneuerungsbedarf, davon ca. 60 % mit einem entsprechenden IT-Tool.
  3. Daten: Für die IT-Tools werden diverse Daten benötigt. Die Umfrage hat daher nach der Datenqualität gefragt. Es ist herausgekommen, dass auf eine hohe Datenqualität im Bereich der Hochspannungsebene verwiesen werden kann; im Bereich der niedrigeren Spannungsebenen nimmt diese jedoch ab.
  4. Fazit: Auf Grundlage der Studie lässt sich sagen, dass die Entwicklung der Asset-Management-Systeme in der Sparte Strom am weitesten fortgeschritten ist. Im Vergleich zu anderen Netzsparten wie Gas, Wasser und Fernwärme sind große Unterschiede zu erkennen. Die Studie ergibt ein „relativ fortgeschrittenes Asset-Management-System“ in den Unternehmen. Die wesentlichen Methoden und Instrumente werden bei 70 – 80 % der Studienteilnehmer angewandt. Kleinere Unternehmen sind weniger fortgeschritten als größere; v.a. hinsichtlich des Reifegrads der IT-Unterstützung.
  5. Ausblick: In Zukunft wird für die Weiterentwicklung des Asset Managements die Fähigkeit zur Datenanalyse und zur Sicherheit einer hohen Datenqualität „eine noch wichtigere Bedeutung spielen“.

 

Einordnung durch Matthias Wessels (Consultant), E-Bridge Consulting

Die Studie zeigt, dass die Relevanz eines funktionierenden Asset Management Systems (AMS) den Stromnetzbetreibern im deutschsprachigen Raum bewusst ist. Bei größeren Unternehmen wenden die wesentlichen Methoden und Instrumente grundsätzlich angewendet.
In der Umsetzung ist allerdings die Konsistenz des AMS elementar. Grundlage ist nach der ISO 55000 die Ausrichtung aller Tätigkeiten auf die Unternehmenswerte. Hierfür ist eine klare Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten vom Asset Owner, über den Asset Manager bis hin zum Asset Service erforderlich.
E-Bridges Erfahrung nach sind Rollen und Verantwortlichkeiten in vielen Unternehmen nicht hinreichend spezifiziert. Dass laut Studie ein Viertel der Unternehmen gar nicht mit dem Rollenmodell arbeitet, bestätigt unsere Einschätzung.
Mit den aktuellen Entwicklungen im Rahmen der Energiewende, insbesondere der Sektorenkopplung, steigen die Anforderungen an einen wirtschaftlich robusten und effizienten Asset-Einsatz noch weiter. Beispielsweise erfordert die Elektromobilität in urbanen Regionen probabilistische Ansätze in der Netzplanung und wird zu erhöhtem Investitionsbedarf führen. Gleichzeitig gibt es sehr begrenzte Ressourcen bei Baufirmen in der D-A-CH-Region. Die Priorisierung von Arbeiten ist erforderlich.
Die hieraus entstehenden unternehmerischen und haftungstechnischen Risiken können nur mit einer klar definierten Entscheidungs- und Verantwortlichkeitsstruktur gemanaget werden.
E-Bridge unterstützt daher Netzbetreiber bei der Überprüfung des vorhandenen AMS und bei der Weiterentwicklung hin zu einer klaren Entscheidungs- und Verantwortungsstruktur – immer abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden.

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