Kommentar: Optionen zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik

Quelle: Consentec, Fraunhofer ISI (Juni, 2018)

Netzentgelte sind ein bedeutender Bestandteil des Strompreises für private Haushalte, Gewerbe und Industrie, da sie einerseits ausschlaggebend für die Verteilung der Netzkosten unter den Nutzern sind und andererseits Auswirkung auf deren Verhalten haben.

Vor diesem Hintergrund analysiert die Studie „Optionen zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik für eine sichere, umweltgerechte und kosteneffiziente Energiewende“ der Consentec GmbH und des Fraunhofer Instituts ISI, Ziele und Anforderungen an ein neues Netzentgeltsystem.

 

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Résumé der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

    1. Um bei den Verbrauchern die relevanten Treiber angemessen abzubilden, eignen sich anschlussbezogene Entgeltkomponenten, die sich aus einem festen Grundpreis je Netzanschlusspunkt und einem Kapazitätspreis zusammensetzen. Bei den an die Niederspannungsebene angeschlossenen privaten und gewerblichen Verbrauchern erscheint ein Grundpreis je Letztverbraucher empfehlenswerter. Darüber hinaus sollten die Regelungen für Baukostenzuschüsse für alle Netz- und Umspannebenen verbindlicher gestaltet werden. Diese Veränderungen würden eine Reduktion der entnahmeabhängigen Entgeltkomponenten ermöglichen.
    2. Durch diese Maßnahmen würden die Kosten zusätzlichen Stromverbrauchs verglichen mit den Kosten anderer Energieträger gemindert und somit Barrieren für einen effizienten Einsatz von Strom im Wärme- und Verkehrssektor reduziert werden.
    3. Die genannten Veränderungen hätten Auswirkung auf die Verteilung der Netzkosten unter den Verbrauchern. Kunden, die relativ viel Strom verbrauchen, würden weniger zahlen als zuvor und umgekehrt.
    4. Die Gestaltung von zeitvariablen Arbeitspreisen ist eine Möglichkeit, um Anreiz für ein freiwilliges netzdienliches Verhalten von Verbrauchern zu schaffen. Jedoch ist abzuwägen, ob der zusätzliche Nutzen die damit verbundene Komplexität der Entgeltermittlung rechtfertigt.
    5. Die Studie zieht in Betracht, Kapazitätspreise oder Baukostenzuschüsse auch von Erzeugungsanlagenbetreibern zu erheben, um die Netzentgelte in erzeugungsstarken Regionen für die Verbraucher zu senken.
    6. Netznutzer sollten mit denjenigen Kostenwirkungen im Netz konfrontiert werden, die durch ihre Investitions- und Einsatzentscheidungen ausgelöst werden. Eine solche Kostenreflexivität ist in der Praxis jedoch nicht voll realisierbar.
    7. Die Netzkosten werden bedeutend geringer von der Stromentnahme der Verbraucher beeinflusst als die derzeitige Entgeltstruktur dies abbildet. Insbesondere Kosten für die Bereitstellung des Netzanschlusses werden kaum abgebildet.

Einordnung durch Dr. Henning Schuster (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Die Studie „Optionen zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik für eine sichere, umweltgerechte und kosteneffiziente Energiewende“ zeigt deutlich den Handlungsbedarf bei der Netzentgeltsystematik im Stromsektor auf. Mancherorts machen Netzentgelte nahezu ein Drittel des Strompreises aus – gleichzeitig wurden die Konzepte von der Energiewende überholt.

Consentec nennt in der Analyse viele richtige Aspekte. In einem Punkt sind die Kollegen in Aachen jedoch etwas vorsichtig: Die Dynamisierung von Netzentgelten zur Reflektion der aktuellen Netzbelastung. Hier würde ich einen Schritt weiter gehen.

Mit einer Flexibilisierung von Last, Speicher und Einspeisung können vorhandene Netze effektiver ausgelastet, Netzausbau reduziert und die Gesamtkosten gesenkt werden. Die Kosten für alle Netzkunden würden dadurch sinken – auch die für Haushaltskunden ohne Möglichkeit zur Flexibilität. Die heutige Netzentgeltsystematik gibt dazu keinerlei Anreize.

Der positive Effekt von Lasten zur Vermeidung einspeisegetriebener Netzengpässe wird in der aktuellen Netzentgeltsystematik nicht berücksichtigt (auch nicht in der Diskussion um die Ausgestaltung von § 14 (a) EnWG). Durch eine dynamische zeitvariable Netzentgeltsystematik kann ein flexibles Verhalten von Verbrauchern, Einspeisern und Speichern angereizt werden. Sie sind besonders für die Niederspannungsebene geeignet, da dort zukünftig die meiste Flexibilität angeschlossen ist.

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