Kommentar: 65 Prozent Erneuerbare bis 2030 und ein schrittweiser Kohleausstieg

Quelle: Agora Energiewende (Oktober, 2018)

Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ soll bis Ende des Jahres einen Ausstiegspfad für die Kohle vorlegen, damit das im Klimaschutzplan für das Jahr 2030 gesetzte Sektorziel der Energiewirtschaft erreicht werden kann. Zwei Befürchtungen werden in der Diskussion rund um den Kohleausstieg besonders häufig geäußert: Ein signifikanter Anstieg der Strompreise und steigende Stromimporte aus dem Ausland. Dabei wird häufig übersehen, dass der aktuelle Koalitionsvertrag zwei konkrete Maßnahmen enthält: Die Reduktion der Kohleverstromung auf ein Niveau, mit dem das Klimaschutz-Sektorziel für die Energiewirtschaft sicher eingehalten wird, sowie eine Erhöhung des Erneuerbare-Energien-Anteils auf 65 Prozent am Stromverbrauch. Diese Analyse wertet die Auswirkungen beider Vorgaben in Kombination aus und zeigt, dass die geäußerten Befürchtungen zum geplanten Kohleausstieg unbegründet sind.

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Résumé der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

    1. Das von der Bundesregierung festgelegte Klimaschutz-Sektorziel für die Energiewirtschaft bedeutet, dass die installierte Leistung der Kohlekraftwerke von heute 46 GW bis 2030 auf rund 16 GW reduziert werden muss. Die verbleibenden Kraftwerke produzieren dann noch rund 82 TWh Strom und stoßen noch etwa 80 Millionen Tonnen CO2 aus. Das entspricht gegenüber heute einer Reduktion um 66 %.
    2. Der Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 % kann die wegfallenden Kohlestrommengen bis 2030 nahezu vollständig kompensieren, Deutschland bleibt Stromexporteur. Kohle- oder Atomkraftwerke in den Nachbarländern profitieren so nicht vom deutschen Kohleausstieg. Um die Versorgungssicherheit trotz geringerer Kohlekraftwerksleistung sicher zu gewährleisten, sind neben mehr Lastmanagement und der weiteren Integration des europäischen Stromverbunds zusätzliche Gasanlagen nötig.
    3. Der Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 % bis 2030 senkt die Börsenstrompreise stärker als sie durch den Kohleausstieg ansteigen. Im Ergebnis liegen sie in der Kombination von schrittweisem Kohleausstieg und 65 % Erneuerbaren um vier Euro je MWh niedriger als ohne weitere Maßnahmen zu erwarten ist. Nicht-privilegierte Haushalts- und Gewerbekunden zahlen letztlich vergleichbare Endkundenpreise, da der niedrigere Börsenstrompreis durch eine leicht höhere EEG-Umlage ausgeglichen wird.
    4. Die stromintensive Industrie kann von einem schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien bei gleichzeitiger Rückführung der Kohleverstromung profitieren. Sie kommt in den Genuss der sinkenden Börsenstrompreise, ist jedoch von der EEG-Umlage weitestgehend befreit. Voraussetzung hierfür ist, dass ihre Privilegierungen beim EEG und der CO2-Strompreiskompensation auch nach 2020 beibehalten werden. Dies ist aber – mit oder ohne Kohleausstieg – für die Erhaltung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ohnehin notwendig.

Einordnung durch Dr. Baris Özalay (Senior Consultant), E-Bridge Consulting

Die Studie „65 Prozent Erneuerbare bis 2030 und ein schrittweiser Kohleausstieg“ der Agora Energiewende befasst sich mit einem möglichen schnellen Kohleausstieg unter Erreichung des politischen Ziels für erneuerbare Energien bis 2030. Die Studie zeigt die Implikationen eines Kohleausstiegs auf die erneuerbaren Energien und deren notwendige Erzeugung zur Substitution des Kohlestroms. Jedoch unterstreicht die Studie auch, dass zur Sicherung der Versorgungssicherheit in Deutschland weitere elementare Maßnahmen, wie Lastmanagement, zwingend notwendig sind.

Im Zuge des noch im Laufe des Januars erwarteten Endberichtes der von der Regierung eingesetzten Kohlekommission wird die Bedeutung der Thematik nochmals verstärkt. Gerade im Kontext der vorgestellten Vereinbarungen bzw. Zielen aus dem Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung untermauert die Studie jedoch auch, dass für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende weiterhin zeitnaher Handlungsbedarf besteht, um die Basis für einen entsprechenden Transformationspfad zur Erreichung der Ziele zu legen.

Auch E-Bridge schaut in diversen Projekten in die Energiewelt der Zukunft und untersucht dabei auch, welche Konsequenzen eine verstärkte Integration von erneuerbaren Energien und ein möglicher Kohleausstieg in Kombination mit einem verstärkten Speicherausbau oder Lastmanagementmaßnahmen in der Zukunft haben. Dabei reichen die Analysen von regionalen Betrachtungen hin zu Auswirkungen auf das Übertragungsnetz und die damit einhergehenden Implikationen auf die Transportaufgabe sowie die Versorgungssicherheit in Deutschland.

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