Kommentar: CCU und CCS – Bausteine für den Klimaschutz in der Industrie

Quelle: acatech (Oktober, 2018)

Das Klimaschutzabkommen von Paris sieht für die energieintensive Industrie eine Halbierung der THG-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 und weitere deutliche Minderungen bis 2050 vor. Obwohl Ersteres im Wesentlichen durch verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und höhere Material- und Energieeffizienz erzielt werden kann, werden weitere Maßnahmen, wie Carbon Capture and Utilization (CCU) und Carbon Capture and Storage (CCS), benötigt, um das Ziel für 2050 zu erreichen. Das Positionspapier soll Chancen, Risiken und Grenzen von CCU und CCS darstellen, die technologische Bedeutung und den möglichen Beitrag zur CO2-Minderung aufzeigen und Diskussionen über mögliche Emissionsminderungspfade anstoßen.

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Résumé der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

    1. Neben der weiteren Effizienzsteigerung, der zunehmenden Elektrifizierung von Industrieprozessen, Energie-, Prozess und Materialsubstitutionen, der gezielten Förderung von innovativen Reduktionstechnologien sowie CCU im Sinne einer Kreislaufwirtschaft sollte eine Strategie zur THG-Neutralität der Industrie auch CCS in Betracht ziehen.
    2. CCU kann nur dann einen substanziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sehr große Mengen kostengünstiger regenerativer Energien zur Verfügung stehen. Wann dies der Fall sein wird, ist schwer abschätzbar. Hierdurch steigt der Handlungsbedarf, bis 2050 andere Lösungen umzusetzen.
    3. Ist das Transformationspotenzial der betroffenen industriellen Branchen zur Verminderung bzw. Beseitigung ihrer Prozessemissionen mit Bestimmtheit ausgenutzt und wurde außerdem geprüft, ob sich die Emissionen nicht durch den Übergang zu neuen Materialien und Technologien weiter reduzieren lassen, ist CCS in Betracht zu ziehen. CO2 kann in beträchtlichen Mengen sowohl onshore als auch offshore im tiefen Untergrund gespeichert und bei Bedarf wieder rückgefördert werden.
    4. Bei Vorlaufzeiten von mindestens zehn Jahren bis zu einem breiten Einsatz von CCU und CCS müssen die Möglichkeiten beider Technologien und kostengünstige Synergien (beispielsweise die Nutzung einer gemeinsamen Transportinfrastruktur) in der aktuellen Legislaturperiode geprüft und bewertet werden. Andernfalls werden CCU und CCS nicht rechtzeitig im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen.
    5. Der Aufbau einer CCS-Infrastruktur, die für den CO2-Transport auch CCU-Vorhaben zur Verfügung stünde, könnte durch die Schaffung von Marktbereiter-Institutionen koordiniert und umgesetzt werden. Als zentrale Vermittlungsstellen würden Marktbereiter die Abstimmung zwischen Abscheidungs-, Transport- und Speicherungsprojekten ermöglichen und bestehende ökonomische Risiken reduzieren.
    6. CCS-Maßnahmen können als Elemente einer Strategie zum Erreichen von THG-Neutralität nur dann umgesetzt werden, wenn große Teile der Zivilgesellschaft, der Industrie, der Politik, der Verbände und der Wissenschaft den Einsatz dieser Technologie unterstützen. Neben technologischen, ökonomischen, geologischen und politisch-rechtlichen Anforderungen sind eine grundsätzliche Befürwortung und Akzeptanz unter Bürgerinnen und Bürgern wichtige Voraussetzungen.

Einordnung durch Dr. Vigen Nikogosian (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Zur Reduktion von CO2 bedarf es mehrerer Maßnahmen. Massiver Ausbau grüner Energie, eine adäquate CO2-Bepreisung und die Erhöhung der Energieeffizienz sind beispielhaft zu nennen. Allerdings stellt acatech in Ihrer Studie fest, dass die bisher beschlossenen Maßnahmen für die Zielerreichung 2050 nicht ausreichen. Vorgeschlagen wird deshalb Carbon Capture and Utilization (CCU) und Carbon Capture and Storage (CCS) in der weiteren politischen Ausgestaltung der Energiewende zu berücksichtigen.

Schaut man sich die jüngste Entwicklung an, dann stellt man fest, dass die Umsetzung der vorgenommenen Maßnahmen nicht überall erfolgreich funktioniert hat. Ein Beispiel dafür ist das Energieeffizienzziel der Bundesrepublik. Bis 2020 sollte der Primärenergieverbrauch um 6 % bis 2020 (Basis 2008) gesenkt werden. Allein zwischen 2012 und 2017 hat sich der Primärenergieverbrauch allerdings jährlich um 1 % erhöht. Laut der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) wurde bei diesem Ziel bereits eine Verzögerung um etwa 10 Jahre eingefahren. Das heißt, das für 2020 vorgesehene Ziel wird erst 2030 erreicht. Für 2030 war ursprünglich eine Reduktion um 30 % vorgesehen.

Es stellt sich also die Frage, ob die Bundesregierung mehr Anstrengung unternehmen soll, um die bislang nicht erfolgreich umgesetzten Maßnahmen doch noch zu verwirklichen. Oder sollte sie etwas umschwenken und weitere Maßnahmen, wie z. B. CCU oder CCS ins Visier nehmen und auf Machbarkeit untersuchen. Letzteres erscheint gar nicht so abwegig.

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