Kommentar: Take-Off Wärmewende – Impulse für das neue Wärmemarktdesign

Quelle: MVV Energie AG, ifeu, Ecofys (Dezember, 2018)

Um das Klimaschutzziel für 2030 im Wärmesektor einzuhalten, muss die Wärmewende mit einem höheren Tempo, Ressourceneinsatz und politischem Willen vorangetrieben werden. Aus diesem Grund untersucht die Studie Fragen zur Finanzierung und Verteilung und betrachtet dazu u.a. Energieeffizienz, CO2-arme Erzeugungsalternativen, Fernwärme, Instrumente aus dem europäischen Ausland, Steuern und Förderungen. Es wird ein Maßnahmenmix aus einem Preisinstrument für die CO2-Abgabe von Brennstoffen, verpflichtende CO2-Grenzwerte für Bestandsgebäude, kommunale Wärmepläne und finanzielle Förderungen für dezentrale Wärmeerzeugung, Fernwärme in Ballungszentren und Energieeffizienz von Gebäuden vorgeschlagen.

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Resümee der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

  1. Um den Endenergieverbrauch für Gebäude bis 2050 um über 50 % zu reduzieren, bedarf es sowohl eines durch Wärmedämmung effizienter gestalteten Gebäudesektors als auch eines Einsatzes CO2-armer Wärmeerzeugungstechnologien.
  2. Grüne Technologien bleiben auch langfristig teurer als Technologien mit fossilen Brennstoffen. Der Staat muss die Nachfrage nach grüner Wärme durch Preisinstrumente (z.B. CO2-Steuer) ordnungsrechtliche Auflagen oder Förderung erhöhen, um einen flächendeckenden Einsatz durchzusetzen.
  3. Die Dekarbonisierung der Fernwärme in großen Ballungsgebieten scheint einfacher, da Investitionen durch kommunale Versorger erfolgen und auf den Endkundenpreis umgelegt werden können.
  4. Eine CO2-Steuer für fossile Wärmeerzeuger ist notwendig, um die derzeitige Benachteiligung von Power-to-Heat-Anwendungen abzubauen (alle Kosten der Energiewende werden auf den Strompreis umgelegt), kann aber nicht die gesamte Kostenlücke zwischen fossilen und grünen Wärmeerzeugungsoptionen schließen: Eine CO2-Steuer in Höhe von 50 €/t würde die Wirtschaftlichkeitslücke von rd. 3 bis 5 ct/kWh auf Vollkostenbasis nur um 1 bis 1,5 ct/kWh reduzieren.
  5. Der Austausch von Ölkesseln durch effizientere, aber durch fossile Brennstoffe betriebene Kessel muss verhindert werden, da dies nur kurzfristig zu einer Emissionsreduktion führt. Langfristig würden die Emissionen jedoch auf zwei bis drei Jahrzehnte festgesetzt werden.
  6. Die Kosten eines “weiter so”-Szenarios (d.h. keine Investitionen in die Wärmewende und der Erwerb von Emissionsrechten von Nachbarländern) sind höher, als eine direkte Investition in die Wärmewende.
  7. Bei der durch die Kosten der Wärmewende entstehenden Belastung von Mietern, Immobilieneigentümern und Unternehmen können durch einen ausgewogenen Politikmix große Ungleichgewichte vermieden werden.
  8. Das Angebot an Ausbildungsplätzen für qualifizierte Heizungsinstallateure muss deutlich erhöht werden, um die Wärmewende praktisch umzusetzen. Hierzu müssen Betriebe in der Lage sein, mit hinreichender Investitionssicherheit zu planen.

Einordnung durch Dr. Henning Schuster (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Die Dekarbonisierung des Wärmesektors ist ein wichtiger Baustein der Energiewende, schließlich ist der Energiebedarf der Wärmeversorgung in Deutschland mit rund 1.250 TWh im Jahr mehr als doppelt so hoch wie der Strombedarf und der Anteil fossiler Energieträger (ca. 75 %). Im Wärmesektor werden aktuell Emissionen in Höhe von insgesamt 275 Mio. t CO2 im Jahr verursacht.

ECOFYS zeigt auf, dass die Dekarbonisierung im Wärmesektor aktuell gehemmt ist, da „grüne Technologien auch langfristig teurer als Technologien mit fossilen Brennstoffen bleiben“ und plädiert für eine CO2-Steuer für fossile Wärmeerzeuger.

Allerdings bieten elektrische Wärmelösungen einen weiteren Nutzen, der bisher nicht ausreichend internalisiert wird: Durch elektrische Wärmelösungen ergibt sich die Möglichkeit, regional erzeugte elektrische Energie sinnvoll regional zu verbrauchen und damit die Stromnetze zu entlasten.

Ein marktbasiertes Engpassmanagement mit zum Beispiel der Hilfe von Flexibilitätsmärkten könnte den lokalen Wert der Flexibilität reflektieren und somit die Wärmewende ohne staatliche Eingriffe fördern.

Gemeinsam mit der EWE hat E-Bridge darüber hinaus das Konzept der „Hybridheizung“ bewertet, das eine sehr pragmatische und kurzfristig leicht umzusetzende Option der Sektorenkopplung von Wärme und Strom darstellt.

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