Kommentar: Innovative Lösungsansätze zur zeitnahen Überbrückung von Netzengpässen für die ungehinderte Integration von EE-Erzeugern

Quelle: Universität Magdeburg, WP&More, GGSC (Mai 2019)

Die Studie untersucht, ob und in welchem Maße und mit welchen technischen und rechtlichen Maßnahmen die mögliche Reduzierung von Netzengpässen in einem Stromübertragungsnetz mit einem Anteil von mindestens 50 Prozent Erneuerbarer Energien (EE) durch kurzfristige Implementierung von neuen bzw. bereits schon bekannten innovativen Techniken erfolgen kann. Im Folgenden finden Sie ein kurzes Resümee der wichtigsten Erkenntnisse aus Sicht von E-Bridge:

  • Phasenschiebertransformatoren (PSTs): Der Einsatz von PSTs als netzoptimierende Methode zeigt seine Effektivität und Effizienz zur Minimierung von Netzengpässen durch die Fähigkeit, den Leistungsfluss steuern zu können. PSTs ermöglichen somit eine verbesserte Vergleichmäßigung der Leitungsauslastungen.
  • Freileitungsmonitoring (FLM): Der flächendeckende Einsatz von FLM bewirkt eine Verbesserung der „Online“-Sicherheit bzw. des Betriebsmittel-Monitorings der augenblicklichen Auslastung und des Zustands der Leitung. FLM bietet damit ein großes Potential für eine durchschnittlich höhere Auslastung der Leitungen im Normalbetrieb. Es macht die strikte Einhaltung der normbasierten Stromgrenzwerte nicht mehr zwingend notwendig.
  • Online-Dynamic-Security-Assessment (Online-DAS): Der Einsatz eines Online-DSA erlaubt eine globale, übertragungsnetzweite Betrachtung und Optimierung des Netzbetriebs.
  • Anpassung der Anreizregularien: Der Anknüpfungspunkt zur Verbesserung der Anreizregulierung für eine bessere Optimierung der Bestandsnetze ist die Erlösobergrenze. Die Übertragungsnetzbetreiber könnten zur Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen motiviert werden, indem sie Zu- oder Abschläge auf ihre Gewinne erhalten bzw. hinnehmen müssen. Ein weiterer Ansatz besteht darin, Redispatch-Kosten bei der Umwälzung auf die Netzentgelte unberücksichtigt zu lassen, wenn die vorgeschlagenen Techniken nicht eingesetzt werden.
  • PSTs, FLM und Online-DAS arbeiten zusammen, so dass der EE-Ausbau nicht an konventionellen Netzausbau gekoppelt werden muss.
    Die in den Simulationen aufgezeigten Möglichkeiten der Netzengpassminimierung bei gleichzeitiger Sicherung der Netzstabilität sind nur in Kombination von PST und/oder FLM mit einem Online-DSA möglich. Deshalb sollte Online-DSA nicht länger als eigenständige und von anderen Maßnahmen losgelöste Langfristmaßnahme betrachtet werden. Bei einer zeitnahen Implementierung der genannten netzoptimierenden Maßnahmen muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht gebremst werden. Insbesondere ist die sogenannte „Synchronisierung“ des Ausbaus der Erneuerbaren Energien an den Fortschritt des konventionellen Netzausbaus zumindest übergangsweise bis 2025 aus technischer Sicht nicht begründbar und damit nicht notwendig.

Einordnung durch Dr. Baris Özalay (Senior Consultant), E-Bridge Consulting

Die Erreichung der Klimaschutzziele erfordert einen ambitionierten Umbau der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien (EE). Mit wachsender Erzeugungsleistung aus Offshore- und Onshore-Windanlagen, vor allem im Norden des Landes, besteht die Versorgungsaufgabe darin, den dort erzeugten Strom in die Verbrauchszentren im Süden des Landes zu bringen. Das Übertragungsnetz ist ein essenzieller Bestandteil der Energiewende. Der Netzausbau hat nicht nur für die Übertragungsnetzbetreiber oberste Priorität, sondern auch für die Energiepolitik.  Die immer höheren politisch vorgegebenen EE-Ausbauziele der Bundesregierung bewirken einen kontinuierlich steigenden Netzausbaubedarf. Gegenwärtig wird der Ausbau des Übertragungsnetzes als nahezu einzige Lösungsmöglichkeit betrachtet, jedoch stößt der Netzausbau auch an seine Akzeptanzgrenzen. Daher gilt es in Zukunft, auch weitere innovative Ansätze in der Netzplanung zu betrachten. Die Studie „Innovative Lösungsansätze zur zeitnahen Überbrückung von Netzengpässen für die ungehinderte Integration von EE-Erzeugern“ untersucht daher ausgewählte innovative Lösungsansätze und zeigt ihr Potenzial zur zukünftigen Nutzung im Übertragungsnetz auf. In Anbetracht des schleppenden Netzausbaus können die angesprochenen innovativen Technologien einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung der zukünftigen Versorgungsaufgabe im Übertragungsnetz liefern.

Auch E-Bridge hat gemeinsam mit TenneT eine Studie zur Ausgestaltung eines möglichen Rahmens bei der zukünftigen Berücksichtigung von innovativen Lösungsansätzen im Netzentwicklungsplan entwickelt. Bei der Erstellung des aktuellen Netzentwicklungsplans (NEP) können innovative Lösungen zur Reduzierung des Transportbedarfs nicht adäquat systematisch berücksichtigt werden. Daher hat E-Bridge einen angepassten NEP-Prozess erarbeitet, der auch neue – und möglicherweise erst zu entwickelnde – Technologien berücksichtigt, in die Planungsprozesse und Entscheidungsfindung integriert.

Siehe dazu  Studie “Innovationen Netzentwicklungsplan 2.0”

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