Kommentar: Studie “Power-to-Gas: Eine Schlüsseltechnologie der Sektorkopplung“

Quelle: BDEW (Mai 2019)

Der BDEW sieht die Sektorkopplung – also die energietechnische und energiewirtschaftliche Verknüpfung von Strom, Wärme, Mobilität und industriellen Prozessen sowie deren Infrastrukturen – als zentralen Weg, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung 2030/2050 wirtschaftlich und effizient zu erreichen. Power-to-Gas (PtG) nimmt bei der Sektorkopplung eine Schlüsselstellung ein, da es derzeit als einzige Anwendung alle Sektoren (Strom, Industrie, Wärme und Verkehr) miteinander koppeln und gleichzeitig eine übersaisonale Speicherfähigkeit sicherstellen kann. Wird für die Umwandlung von elektrischer Energie in gasförmige Energieträger durch Elektrolyse Strom aus erneuerbaren Energien verwendet, so liefert PtG außerdem grünes Gas. Da PtG heute nur in Pilotgrößen existiert, identifiziert der BDEW drei bedingt voneinander abhängige Bausteine, um eine Markteinführung von PtG kurz- und mittelfristig zu ermöglichen. Diese Bausteine sollen im zeitlichen und regulatorischen Zusammenspiel einen Mehrwert nicht nur für die Technologie selbst, sondern für das Energiesystem insgesamt erzielen.

Im Folgenden finden Sie ein kurzes Resümee der drei wichtigsten Bausteine aus Sicht von E-Bridge

  1. “No regret”-Maßnahmen: PtG-Anlagen und deren Produkte müssen sich im Wettbewerb eines marktlichen Umfelds bewähren. Daher sollte sich auf Instrumente konzentriert werden, die eine marktgetriebene Nachfrage nach grünen Gasen fördern und das Forschungs- und Entwicklungspotenzial von PtG weiter erschließen. Hierzu zählt die Schaffung eines Nachweissystems für grüne Gase, das Anschieben von Wasserstoff als Einstiegsmarkt für PtG und die Förderung von Reallaboren.
  2. Die Abgaben- und Umlagensystematik soll neu geordnet werden, um anhand des Treibhausgasausstoßes zu einer CO2-Bepreisung zu gelangen. Die Markteinführung von PtG soll durch weitere Anpassungen in bestehende Regulierung erleichtert werden. So sollen bestehende Erleichterungen für PtG erhalten bleiben und Befreiungen von Letztverbraucherabgaben (z.B. EEG-Umlage) zu Zeiten netzdienlicher Fahrweise eingeführt werden.
  3. Förderinstrumente: Wenn die vorgeschalteten Maßnahmen nicht zu einer Markteinführung synthetischer, grüner Gase führen, sollten spätestens Mitte der 2020er Jahre Förderinstrumente ins Auge gefasst werden, die eine Markteinführung von PtG-Anlagen unterstützen. Denkbar ist z.B. eine Grüngas Quote, die zu eine Grüngas-Beimischung verpflichtet.

 

Einordnung durch Dr. Vigen Nikogosian (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Dem Vorschlag von BDEW ist grundsätzlich zuzustimmen. Es steht allerdings zu befürchten, dass die Anpassung der Abgaben- und Umlagensystematik keinen Markteintritt von großskaligen Anlagen bewirken wird. Der Preis für die Erzeugung von grünem Wasserstoff bleibt weiterhin zu hoch, um wirtschaftlich zu sein und nachhaltige Business Modelle zu ermöglichen.

Deshalb wäre es sinnvoll, sich bereits heute Gedanken darüber zu machen, welche Instrumente zum Eintritt von großskaligen Anlagen Anwendung finden könnten. Eine Grüngas-Quote ist sicherlich eine Option. Eine andere Möglichkeit sind Ausschreibungen. Hierzu hat E-Bridge bereits einen Vorschlag ausgearbeitet – siehe dazu:

Studie zu “Wasserstofferzeugung in Kombination mit Offshore-Windausbau”.

Welche der Optionen sinnvoll ist, gilt es objektiv und auf Basis der deutschen Erfahrung mit PV-Expansion zu bewerten.

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