Kommentar: Agora-Studie “Verteilnetzausbau für die Energiewende – Elektromobilität im Fokus”

Quelle: Agora Verkehrswende, Agora Energiewende und The Regulatory Assistance Project “RAP” (August, 2019)

Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor bis 2030 um 40 bis 42 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Obwohl der Anteil der Elektro-Pkw in Deutschland noch unter einem Prozent liegt, lassen nationale und internationale Trend sowie Ankündigungen von Herstellern einen signifikanten Markthochlauf erwarten. Mit der hohen Zahl von erforderlichen Ladepunkten in Mittel- und Niederspannung kommt eine neue  Versorgungs-aufgabe auf die Verteilnetzbetreiber zu, die Netzausbau erforderlich macht. Für 2030 und 2050 werden in der Studie ein unterschiedlich intensiver Markthochlauf bis hin zur Vollelektrifizierung modelliert. Zusätzlich wird eine Mobilitätswende (geringere Anzahl von PKW insgesamt) im Zieljahr 2050 betrachtet.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse:

  1. Die Energiewende in den Stromverteilnetzen gelingt auch bei einer Vollelektrifizierung des Pkw-Verkehrs. Netzdienliches Laden reduziert Lastspitzen und verlagert den Verbrauch in Zeiten hohen Einspeisung aus EE-Anlagen.
  2. Netzdienliches Laden und die Mobilitätswende gemeinsam ermöglichen die Energiewende in den Stromverteilnetzen bis 2050 für jährliche Investitionen von 1,5 Mrd. Euro in Leitungen und Trafos. Ohne Mobilitätswende (45 statt 30 Mio. Elektro-Pkw) betragen die jährlichen Investitionen 2,1 Mrd. Euro.
  3. Die Elektromobilität finanziert durch ihrem Stromverbrauch den Verteilnetzausbau bis 2050 – bei angemessener Beteiligung an den Netzentgelten.
  4. Gesteuertes Laden lässt sich ohne merkliche Einschränkungen für die Nutzer gestalten. Hierfür muss netzdienliche Ladesteuerung zum Standard werden. Dafür braucht es als vorrangiges Instrument Anreize und ergänzend gegebenenfalls Verpflichtungen zur Steuerbarkeit.

Einordnung durch Matthias Wessels (Senior Consultant), E-Bridge Consulting

Wie groß der Beitrag der Elektromobilität zum Klimaschutz unter Berücksichtigung der gesamten, globalen Wertschöpfungskette wirklich ist kann vielschichtig diskutiert werden. Die politischen und marktlichen Trends sind hingegen klar: Deutsche Verteilnetzbetreiber müssen sich auf eine signifikante Durchdringung von Elektrofahrzeugen einstellen.

Investitionen in die Verteilnetze insgesamt steigen. Die Studie schätzt den Investitionsbedarf in Mitte- und Niederspannung mit adäquaten Annahmen und einem fundierten Modellansatz auf 1,5 bis 2 Mrd. EUR pro Jahr – eine Steigerung um bis zu 1 Mrd. EUR gegenüber dem Durchschnitt von 3,4 Mrd. EUR zwischen 2008 und 2018 (BNetzA).

Nicht betrachtet in der Studie wird eine sehr hohe Gleichzeitigkeit durch strompreisgesteuerte Ladealgorithmen. Dieser Effekt kann den Ausbaubedarf noch deutlich steigern – wenn nicht gesteuertes Laden durch den Netzbetreiber als „Rückfallebene“ ermöglicht wird. Zur netzplanerischen Berücksichtigung ist dieses Instrument zwingend erforderlich.

Zusammen mit der ARGE FNB Ost hat E-Bridge den Ansatz der Smart Load Control entwickelt: Eine effiziente Möglichkeit, ohne merkbare Auswirkungen für den E-PKW-Fahrer die Kosten für den Netzausbau auf ein volkswirtschaftlich sinnvolles Maß zu begrenzen. Hierfür ist der rechtlich-regulatorische Rahmen zu schaffen. Diskussionen hierzu laufen.

Jeder Netzbetreiber muss zusätzlich im Asset Management entsprechend seiner Situation eine individuelle Strategie finden, mit den Unsicherheiten umzugehen. Die Zeit drängt, denn viele insbesondere städtische Netzbetreiber stehen vor Erneuerungswellen. Und nichts ist teurer als einen Graben zweimal aufzumachen. E-Bridge unterstützt Verteilnetzbetreiber bei der Optimierung ihrer Investitionsstrategie. Dafür ist die Verzahnung von Netzbetrieb und Netzplanung unerlässlich. Auf der Basis müssen Planungsgrundsätze für Elektromobilität und andere flexible Lasten entwickelt werden. E-Bridge unterstützt aktuell die E.ON-Netzbetreiber bei diesem Vorhaben.

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