Kommentar: Wind-to-Gas: Maßnahmen für den Marktanlauf

Quelle: Bundesverband WindEnergie e.V. (November 2019)

Um den Bedarf an erneuerbaren Gasen in Zukunft decken zu können, muss der Aufbau der PtG-Srukturen, insbesondere von Anlagen, heute beginnen. Es bestehen jedoch noch erhebliche Hemmnisse für den Marktanlauf, die sich aus einem Mix von zu hohen Strombezugskosten, untauglichen Begünstigungen, schwacher Nachfrage, überalterten Normen und unklarer Genehmigungslage zusammensetzen. Hier werden Maßnahmen vorgeschlagen, die den Marktanlauf beschleunigen können.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse:

Existierende Maßnahmen rechtssicher und praxistauglich überarbeiten

  1. Durch eine Streichung oder zumindest großräumige Neu-Definition des Begriffs der unmittelbaren räumlichen Nähe im Energie- und Stromsteuerrecht ließen sich Direktleitungen auch über größere Distanzen rechtssicher betreiben und PtG-Projekte unter Inanspruchnahme der damit verbundenen Begünstigungen besser planen und umsetzen.
  2. Das Eigenversorgungsverbot sollte aufgehoben werden, da so Sektorenkopplung mit ausgeschriebenen EE-Anlagen blockiert wird.
  3. Entscheidend für den Erfolg der Reallabore ist, nicht-praxisgerechte Überregulierungen zu vermeiden. Eine Förderung über die Betriebskosten ist zu begrüßen, ebenso die deutliche Erhöhung der Fördermittel, um Betriebsmodelle und Technologien in größerem Umfang zu erproben und Skaleneffekte zu ermöglichen.

 

Effektive Instrumente für den Marktanlauf implementieren

  1. Eine netzdienliche Befreiung des Bezugsstroms von Steuern, Abgaben und Umlagen im Rahmen von Innovationsausschreibungen ermöglicht den wirtschaftlichen Betrieb von windparknahen Elektrolyseuren und verringert den Netzausbaubedarf.
  2. Ein Strommarkt-orientiertes Marktanreizprogramm belohnt die flexible Fahrweise von Elektrolyseuren und erhöht den Marktwert von Windstrom. Die Wirkung einer flexibel reduzierten Abgabenlast auf Strom aus dem öffentlichen Netz kann erprobt und Verbesserungen von Produktionsverfahren und Wirkungsgraden zu überschaubaren Kosten angereizt werden.

Nachfrage grüner Gase stärken

  1. Eine wirksame CO2-Bepreisung in allen Sektoren kann die Kosten der fossilen Energieerzeugung verursachergerecht abbilden und helfen, grüne Gase wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen.
  2. Die Bereitstellung von Flexibilitäten muss stärker honoriert werden. Im Rahmen einer Reform des Systems der Steuern, Abgaben und Umlagen muss geprüft werden, inwiefern eine Flexibilisierung der Entgelte und Umlagen dazu beitragen kann, dass sich Erzeugung und Verbrauch stärker synchronisieren.
  3. Eine Weiterentwicklung der Herkunftsnachweise ist dringend erforderlich. Ein einheitliches, im besten Falle europäisches, Nachweissystem muss die Anrechnung von grünen, strombasierten Gasen auf verbindliche Quoten und Ziele ermöglichen. Die grüne Eigenschaft des Windstroms muss auch bei Strombezug über das öffentliche Netz vom Erzeuger bis zum Letztverbraucher nachgewiesen werden können.

Genehmigungsverfahren erleichtern, technische Normen anpassen

  1. Elektrolyseure müssen im Genehmigungsrecht als eigene Anlagenkategorie definiert werden und somit einen eigenen Genehmigungstatbestand erhalten.
  2. Die betreffenden Normen zur Einspeisung von Wasserstoff müssen praxistauglich überarbeitet werden.

 

Einordnung durch Dr. Vigen Nikogosian (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Die Verbandsarbeit für den Marktanlauf von Power-to-X Lösungen ist im vollen Gange. Sowohl der Bundesverband für Windenergie als auch der Bundesverband der deutschen Industrie setzen auf die zukünftige Anwendung von diversen Wasserstoffanwendungen, die vor allem die Industrie und Verkehr in CO2-freie Sektoren transformieren sollen. Angesichts der andauernden Klimadiskussion und des politischen Aktionismus ist der Zeitpunkt der Beiträge sicherlich gut gewählt. Denn einige Ideen finden sich in der noch nicht offiziell vorgestellten „Nationalen Wasserstoffstrategie“ wieder. Das vom Bundesministerium erarbeitete Papier, das ursprünglich für Dezember 2019 geplant war, befindet sich nun in der Ressortabstimmung. Auf 20 Seiten wurden 35 Maßnahmen aufgezählt, die dem Wasserstoff auf die Beine helfen sollen. Viele wichtige Punkte wurden aufgegriffen. Vor allem freut es mich, dass Wind auf See eine entscheidende Rolle bei der Wasserstofferzeugung spielen sollen. Dazu hat E-Bridge bereits ein Ausschreibungsmodell erarbeitet. Gleichzeitig unterstützt E-Bridge die Küstenländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen das „Norddeutschen Reallabors“ bei der Strukturierung der einzelnen Projekte und beim Projektantrag.

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