Kommentar: Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2019

Quelle: Agora Energiewende (Januar 2020)

Die Energiewende hat sich 2019 in vielen Bereichen positiv entwickelt. Die Kohleverstromung ist massiv zurückgegangen und hat die CO2-Emissionen in Deutschland um über 50 Millionen Tonnen reduziert. Gleichzeitig stieg die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien deutlich an. Allerdings stiegen die CO2-Emissionen aus den Sektoren Verkehr und Gebäude 2019 wieder. Zudem sorgt der massive Einbruch beim Bau neuer Windanlagen 2018 und 2019 dafür, dass der Zuwachs beim grünen Strom in den kommenden Jahren deutlich langsamer erfolgen wird.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse:

  1. Erneuerbare Energien: Mit einem Zuwachs von 17,8 TWh wurde im Jahr 2019 so viel Strom aus Erneuerbaren Energien erzeugt, wie noch nie. Sie deckten rund 42,6 % des Bruttostromverbrauchs und damit erstmals in etwa genauso viel wie Kernenergie, Braun- und Steinkohle zusammen. Maßgeblich hierfür war ein gutes Wind- und Sonnenjahr.
  2. Konventionelle Energien: Die Steinkohlenutzung setzt ihren Abwärtstrend mit einem Minus von 31 % gegenüber 2018 fort. Dafür erhöhte sich die Nutzung von Erdgas in der Stromerzeugung um 11 %. Im Gegensatz zu den Vorjahren sank 2019 auch die Braunkohle um 22 %.
  3. Energie- und Stromverbrauch: Der Stromverbrauch im Jahr 2019 ist mit 569 TWh der geringste der letzten 20 Jahre. Auch der Primärenergieverbrauch verzeichnet einen Rückgang von gut 2 %.
  4. Klimaschutz: Die Treibhausgasemissionen sanken stark um über 50 Millionen Tonnen CO2 beziehungsweise gut 6 % im Vergleich zum Vorjahr und liegen nun etwa 35 % unter dem Niveau von 1990. Diese Minderung geht vor allem auf den Stromsektor zurück. Im Verkehrssektor sind die Emissionen gestiegen.
  5. Stromhandel: Der Exportüberschuss im Jahr 2019 lag bei knapp 35 TWh, im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um rund 12 TWh.
  6. Strompreise und Flexibilität: Das Niveau der Börsenstrompreise ist insgesamt 2019 von 44,7 auf 37,6 Euro je Megawattstunde abgesunken.
  7. Kosten: Die EEG-Umlage steigt zwar 2020 nochmal auf 6,77 Cent je Kilowattstunde, aber spätestens ab 2022 zeigen sich die gesunkenen Kosten der Erneuerbaren Energien auch in einer sinkenden EEG-Umlage. Ältere, teure Anlagen fallen dann zunehmend aus der Förderung. Zudem soll ab 2021 ein Teil der Einnahmen aus dem Brennstoffemissionshandelsgesetz zur Senkung der EEG-Umlage verwendet werden.
  8. Netzausbau: Von den 7.700 Kilometern zusätzlichen Übertragungsnetzen, die beschlossen sind, wurden bislang erst 1.150 Kilometer realisiert. Allerdings wurden 2019 weitere 1.000 Kilometer genehmigt und können nun gebaut werden.
  9. Ausblick 2020: Die Zubauflaute der Windenergie an Land wird sich kaum verbessern, während bei der Solarenergie ein Zubau auf ähnlichem Niveau wie 2019 zu erwarten ist. Die Stromerzeugung durch Offshore-Anlagen wird durch die Inbetriebnahme der neuen Windparks Ende 2019/Anfang 2020 steigen. Insgesamt sind diese Mengen jedoch nicht ausreichend, um die 2030-Erneuerbaren-Ausbauziele zu erreichen.

 

Einordnung durch Dr. Baris Özalay (Senior Consultant), E-Bridge Consulting

Die Studie „Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge 2019“ der Agora Energiewende zieht ein Fazit der Entwicklungen im Energiesektor in den letzten Jahren und gibt einen Ausblick auf die notwendigen nächsten Schritte sowie die anstehenden Herausforderungen für das Gelingen der Energiewende.

Die bisherige Entwicklung im Energiesektor wird größtenteils gelobt und insbesondere die Reduktion die CO2-Emissionen und der deutliche Anstieg der Einspeisung aus Erneuerbaren Energien werden als große Erfolge hervorgehoben. Eine konstruktive gemeinsame Weiterentwicklung einer zukünftigen Energiewelt sollte jetzt im Vordergrund stehen, um einen adäquaten Rahmen für die Umsetzung der energie- und klimapolitischen Ziele zu erreichen. Hierzu zählen insbesondere ein Ausstiegspfad aus den konventionellen Kraftwerken, der weiterhin benötigte Ausbau der Erneuerbaren Energien, die verstärkte Berücksichtigung der Sektorenkopplung (Strom, Wärme und Gas) sowie die Nutzung vorhandener Flexibilität im Energiesystem.

Auch E-Bridge schaut in diversen Projekten in die Energiewelt der Zukunft und untersucht dabei vor allem, welche Konsequenzen eine verstärkte Integration Erneuerbarer Energien hat. Aktuell wird hierzu auch eine verstärkte Sektorkopplung betrachtet und dabei insbesondere die zukünftige Nutzung und Rolle von Wasserstoff analysiert. Wasserstoff kann ein Schlüssel für eine intelligente Vernetzung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr sein und ein zentrales Element einer wirksamen Klimaschutzstrategie darstellen. Zusätzlich fokussieren sich die Untersuchungen auf die netzdienliche Nutzung von Flexibilität auf Erzeuger- und Verbraucherseite sowie auf eine Betrachtung innovativer Netzbetriebsmittel, die einen zentralen Baustein für eine effiziente Erfüllung der zukünftigen Transportaufgabe bilden.

Die E-Bridge-Analysen reichen dabei von regionalen Betrachtungen hin zu Auswirkungen auf das Übertragungsnetz im gesamteuropäischen Kontext. Die Ergebnisse der Studien unterstreichen die zukünftigen Herausforderungen und den zeitnahen Handlungsbedarf im Energiesektor.

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