Kommentar: Die Ökostromlücke, ihre Strommarkteffekte und wie sie gestopft werden kann

Quelle: Agora Energiewende und Wattsight (März 2020)

Der Zubau von Windkraftanlagen an Land ist in den letzten beiden Jahren von über fünf auf nur noch ein Gigawatt gefallen, wodurch eine massive Ökostromlücke droht. Hinzu kommt, dass in diesem Jahrzehnt insbesondere ältere Windenergieanlagen an das Ende ihrer Lebenszeit kommen und diese Kapazitäten zusätzlich zum notwendigen Nettozubau ersetzt werden müssen. Ohne entschlossenes Eingreifen der Politik wird das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung für 2030 klar um etwa zehn Prozentpunkte verfehlt – mit entsprechend höheren Börsenstrompreisen und CO₂-Emissionen. Die vorliegende Studie untersucht, mit welchem Mix aus Onshore-Windkraft, Offshore-Windkraft und Photovoltaik die befürchtete Ökostromlücke noch geschlossen werden kann.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse

  1. Da der Ausbau der Windenergie an Land aktuell kollabiert, droht eine große Ökostromlücke. Erneuerbare Energien decken 2030 bei Fortschreibung der aktuellen Trends nur etwa 55 Prozent des Strombedarfs. Hierbei wurde bereits unterstellt, dass die Solarenergie weiterhin mit vier Gigawatt pro Jahr und Offshore Windenergie auf 20 Gigawatt bis 2030 zugebaut wird. Das 65 Prozent Erneuerbaren Ziel für 2030 rückt so in weite Ferne.
  2. Weniger Ökostrom und mehr Strom aus fossilen Energieträgern führen zu höheren Industriestrompreisen und höheren CO₂ Emissionen. Bei nur 55 Prozent Erneuerbaren Anteil steigen die Börsenstrompreise im Jahr 2030 um etwa 5 bis 10 Euro je Megawattstunde und die Emissionen um etwa 5 bis 20 Millionen Tonnen CO₂.
  3. Um die Ökostromlücke zu schließen, muss die Offshore Windkraftleistung bis 2030 auf mindestens 25 Gigawatt steigen, Onshore Windkraft wieder um mindestens 4 Gigawatt pro Jahr zugebaut und/oder eine Solaroffensive auf 10 Gigawatt pro Jahr gestartet werden. Bei gleichbleibendem Stromverbrauch sind für das 65 Prozent Ziel zwei der drei genannten Zubaupfade für Offshore Windkraft, Onshore Windkraft und Solarenergie nötig. Geht man für 2030 von einem höheren Stromverbrauch aus – wegen zunehmender Elektromobilität, mehr Wärmepumpen, Wasserstoffgewinnung und zusätzlichem Ökostrombedarf in der energieintensiven Industrie –, müssen alle drei Maßnahmen umgesetzt werden.
  4. Die Zubaukrise der Windenergie muss rasch politisch gelöst werden, andernfalls droht auch der Energiewende insgesamt ein schwerer Schaden. Hierzu gehört ein Maßnahmenpaket, das durch geeignete und einheitliche Planungsverfahren für ausreichend Flächen zur Errichtung von Windenergie an Land sorgt und Genehmigungsverfahren beschleunigt. Auch bei Offshore-Windkraft müssen jetzt unverzüglich die Weichen für höhere Zubaumengen bis 2030 gestellt werden.

Einordnung durch Benedikt Deuchert (Senior Consultant) & Janis Kaltschnee (Consultant) , E-Bridge Consulting

Die Analysen der Agora Energiewende zeigen, dass sich Deutschlands Stromwende an einem entscheidenden Punkt befindet. Sinkende Zubauraten, insbesondere bei der Windenergie, stehen der Integration zusätzlicher Verbraucher im Rahmen der Sektorkopplung gegenüber. Gerade in der derzeitigen Situation bietet das Gelingen einer ganzheitlichen Energiewende das Potenzial einer nachhaltigen Transformation der Volkswirtschaft.

Entscheidend ist die Kombination mehrerer Maßnahmen. Erzeugung, Verbrauch und Infrastruktur müssen intelligent miteinander verbunden sein. Auch die Energieeffizienz muss im Fokus bleiben, damit der erwartete Anstieg des Verbrauchs im Rahmen der Sektorkopplung begrenzt werden kann. Im Zentrum der Transformation sollten Marktmechanismen stehen, die Freiheitgrade für Innovationen bieten und möglichst geringe Kosten gewährleisten. Gleichzeitig muss eine effektive Evaluation sicherstellen, dass die Ausbauziele erreicht werden. Zudem müssen die Auswirkungen auf die langfristige Versorgungssicherheit bewertet und bestehende Konzepte gegebenenfalls überarbeitet werden.

Klar ist: Die Weichen für ein Einschwenken auf die nötigen Ausbauziele bis 2030 müssen rasch gestellt werden. Bei E-Bridge freuen wir uns darauf, unsere Kunden sowohl bei der konkreten Ausgestaltung der zu ergreifenden Maßnahmen als auch bei der strategischen Positionierung in der Energiewelt der Zukunft zu unterstützen.

Ihr Ansprechpartner

Benedikt Deuchert »
Nachricht schreiben »
0228 909065-0

Profilbild von Benedikt Deuchert

Ihr Ansprechpartner

Janis Kaltschnee »
Nachricht schreiben »
0228 909065-0

Profilbild von Janis Kaltschnee
Auf LinkedIn teilenAuf Xing teilenE-MailPrint

Relevante Referenzen

  Nach oben
Bitte schalten Sie JavaScript an, wenn Sie Google Analytics deaktivieren möchten.
Nachricht verbergen