Kommentar: Ökonomische Analyse Corporate Green PPAs

Quelle: dena – Deutsche Energie-Agentur GmbH (Februar 2020)

Hinsichtlich des Ziels der CO2-Neutralität bis 2050 müssen Unternehmen bereits heute beginnen, ihre Produktionsweisen anzupassen, wenn sie in Zukunft vor dem Hintergrund steigender Strom- und CO2-Preise bestehen wollen. Dies gilt nicht nur für energieintensive Industrien, sondern auch für mittelgroße Energieverbraucher. Dabei werden Unternehmen auf die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen setzen müssen. In diesem Rahmen halten sowohl Stromverbraucher als auch Anbieter von grünem Strom die zukünftige Rolle von langfristigen grünen Stromlieferungen in Form von Power Purchase Agreements (PPAs) für wichtig. Dabei gilt es allerdings noch einige Hemmnisse, welche die Erschließung des Nachfragepotenzials von Green PPAs erschweren, zu überwinden.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse

  1. Anpassung der Ablagen, Umlagen, Steuern für Letztverbraucher: Insbesondere für Stromnachfrager mit einer geringeren Stromnachfrage könnte beim großen Kostenblock „Umlagen, Netzentgelte und Steuern“ ein hohes Anreizpotenzial durch eine Neuordnung des Regelwerkes geschaffen werden. So könnte eine Reduzierung der EEG-Umlage oder von Netzentgelten bei Bezug von grünem Strom einen entsprechenden ökonomischen Anreiz schaffen, PPAs abzuschließen.
  2. Strompreiskompensation: Bei energieintensiven Unternehmen, wie Chemie- oder Aluminiumfirmen, ist die Strompreiskompensation aus ökonomischer Sicht der bedeutendste Hebel, um PPAs attraktiver zu gestalten. Sie fällt ausschließlich für Unternehmen an, die dem ETS unterliegen. Darüber hinaus besteht die rechtliche Unsicherheit bezüglich des möglichen Weiterbezugs der Strompreiskompensation unter einem grünen PPA aus Sicht von Unternehmen ein erhebliches Risiko dar. Denn die Analyse zeigt, dass der Nachfrager von grünem Strom gegenüber dem Bezug von Graustrom im Regelfall nicht besser, hinsichtlich der Großverbraucher häufig sogar schlechter gestellt wird. Erforderlich sind somit Maßnahmen, die eine kohärente und rechtssichere Regelung bei der Strompreiskompensation sicherstellen, um den Abschluss von PPAs nicht zu behindern.
  3. Finanzierungsfazilität und Risikoabsicherung: Neue Erneuerbare-Energien-Projekte erfordern hohe Anfangsinvestitionen. Dieses Ausfallrisiko ist in Deutschland bislang durch die Zahlung von Marktprämien, Abnahmepflicht und Einspeisevorrang abgesichert. Bei PPAs wirkt sich die Verbindung aus vergleichsweiser geringer Bonität des Anbieters und dem verbleibenden Abnahmerisiko negativ auf die Finanzierung eines Erneuerbaren Projekts am Kapitalmarkt aus. Eine Risikoübernahme durch staatliche Kreditinstitute sollte geprüft werden.
  4. Qualitätsmerkmale für Grünstrom: Der Herkunftsnachweis (HKN) ist eine zentrale Wertkomponente eines PPAs. Dabei kann derzeit auch Graustrom über den Zukauf von HKN eine grüne Qualität zugeschrieben bekommen. Darüber hinaus wird momentan der Großteil der HKN ohne zeitliche und geografische Dimension gehandelt. Um die Attraktivität eines PPA-Marktes in Deutschland zu stärken, können Maßnahmen, die bei der Qualität des Nachweises hinsichtlich ihrer Transparenz und Differenzierung ansetzen, einen Impuls leisten.
  5. Förderung Markttransparenz: Im Markt werden Risiken gesehen, die zu einer starken Verunsicherung führen, sowohl unter potenziellen Nachfragern als auch unter Erzeugern. Neben ungewissen Preiserwartungen sowie Unklarheiten bezüglich der rechtlichen Vertragsausgestaltung bestehen erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der rechtlichen Rahmenbedingungen für PPAs als langfristige Stromlieferverträge.

Einordnung durch Dr. Vigen Nikogosian (Principal Consultant), E-Bridge Consulting

Power Purchase Agreements (PPA) werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Dies zeigt die Umfrage des Ende August 2019 veröffentlichten Marktmonitors zu Corporate Green PPAs der dena. 86% aller 128 befragten Marktteilnehmer messen PPAs zukünftig eine hohe bis sehr hohe Bedeutung bei.

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse des dena-Marktmonitors auch, dass derzeit sowohl Anbieter als auch Erzeuger trotz der möglichen Potenziale bezüglich der Ausgestaltung von Corporate Green PPAs stark verunsichert sind. Mit Blick auf das Binnenverhältnis zwischen Anbietern und Nachfragern sind vor allem mangelnde Erfahrung in Deutschland und das komplexe Vertragswerk die am häufigsten genannten Hemmnisse. Fehlende Informationen zu Preisen sowie insbesondere die Ausgestaltung der Verträge und die damit verbundene Risikoverteilung zwischen beiden Vertragsparteien spielen dabei eine zentrale Rolle. Darüber hinaus sind Marktteilnehmer verunsichert, wie sich PPAs in den aktuellen rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmen einfügen.

Die vorliegende Studie der dena schlägt Maßnahmen vor, die diese Hemmnisse abbauen und einen Anreiz für den Abschluss von PPAs setzen. E-Bridge unterstützt Investoren im Bereich erneuerbarer Energien. Dabei nimmt die Vermarktung von erzeugtem EE-Strom in Rahmen von PPA eine immer größere Rolle ein. E-Bridge erstellt dazu Preisprognosen. Dabei zeigt sich, dass die von dena erarbeiteten Ansatzpunkte tatsächlich das Potential haben, eine Lenkungswirkung bei der Entscheidungsfindung zu erzielen.

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