Kommentar: dena-Studie Systemsicherheit 2050

Quelle: Deutsche Energie-Agentur (April, 2020)

Studien der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Klimaschutzziele für 2050 durch entsprechende Anstrengungen erreicht werden können und dabei die Nachfrage nach Energie zuverlässig gedeckt werden kann. Damit dabei auch die Versorgungssicherheit weiterhin bis 2050 gewährleistet werden kann, muss neben der Bereitstellung der benötigten Energiemengen allerdings auch ein zuverlässiger Betrieb der Stromnetze sichergestellt werden. Die neue dena-Studie ‚Systemsicherheit 2050‘ fokussiert diesen Aspekt der sicheren und zuverlässigen Stromversorgung, die sogenannte Systemsicherheit. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass vom Zieljahr 2050 aus betrachtet ein sicherer Systembetrieb technisch möglich ist.
Anhand zweier Szenarien, die sich in zentralen Ausprägungen des zukünftigen Energiesystems, wie der installierten Leistung und der Intensität des grenzüberschreitenden Stromhandels, deutlich unterscheiden, werden Handlungsbedarfe für die kommenden Jahre abgeleitet.

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Studien-Ergebnisse

  1. Systemsicherheit steht oftmals im Zielkonflikt mit anderen energiepolitischen Zielen, wie beispielsweise der Kosteneffizienz der Energiewende, und erfordert eine aktive Gestaltung durch die Politik.
  2. In der Gesamtstrategie muss die zukünftige Beherrschung eines System Splits adressiert werden. Bei diesem seltenen Extremereignis wird das europäische Verbundnetz infolge kaskadierender Störungen aufgetrennt. Die Höhe des Sicherheitsniveau sollte das Ergebnis einer volkswirtschaftlichen Abwägung sein.
  3. Da die deutschen Stromnetze in das europäische Verbundnetz eingebunden sind, kann die Systemsicherheit nicht isoliert betrachtet werden. Eine Abstimmung im Rahmen der EU und unter den europäischen Stromnetzbetreibern ist anzustreben.
  4. Technische Vorgaben und regulatorische Rahmenbedingungen sind vorausschauend und technologieoffen anzupassen, um alle Flexibilitäten für Systemdienstleistungen verfügbar zu machen. Dies schließt eine netzebenenübergreifende Nutzung ein.

Einordnung durch Tuncay Türkucar (Executive Consultant) & Benedikt Deuchert (Senior Consultant) , E-Bridge Consulting

Die Analysen der dena-Studie Systemsicherheit 2050 zeigen die Handlungsbedarfe für die Gewährleistung der Systemsicherheit bis ins Jahr 2050 auf. Im klassischen Bild der Versorgungssicherheit ist die Systemsicherheit neben der adäquaten Bereitstellung der benötigten Energiemengen das zweite wesentliche Element für die Versorgungssicherheit.
Die zentrale Schlussfolgerung der Studie, dass ein sicherer Systembetrieb auch langfristig möglich ist, darf nicht über die erheblichen künftigen Herausforderungen für die Versorgungssicherheit hinwegtäuschen. Einerseits dürfen die technischen Hürden nicht unterschätzt werden. Die Komplexität der Betriebsführung wird zunehmen und der Kommunikationsbedarf zwischen den Netzebenen wird sich weiter erhöhen. Dies lässt sich bereits aktuell bei der Implementierung des Redispatch 2.0 beobachten, wo E-Bridge Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber unterstützt. Klar ist: Die Kraftanstrengung im Rahmen der Einführung des Redispatch 2.0 ist lediglich ein Vorbote der gewaltigen Digitalisierungs- und Transformationsprozesse, die bis ins Jahr 2050 auf die gesamte Branche zukommen werden.

Andererseits sollte im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung des Themas Versorgungssicherheit aber auch die klassische Aufteilung zwischen dynamischer Systemsicherheit und ‚Systemadäquanz‘ hinterfragt werden. In einem liberalisierten Markt, dessen Preissignale durch staatliche Interventionen zunehmend verwässert werden, muss die Frage gestellt werden, ob die Marktakteure geeignete Anreize vorfinden, um kritische Schieflagen bereits im Vorfeld zu unterbinden. Ohne entsprechende Anreize sind Szenarien denkbar, in denen Netze und Erzeugungsanlagen zwar scheinbar adäquat für die Versorgung der Verbraucher sind, in denen dann allerdings trotzdem kurzfristig kritische Situationen auftreten können und ein massives Gegensteuern der Übertragungsnetzbetreiber nötig wird.

Als international agierende Beratungsgesellschaft, die aktuell viele europäische Übertragungsnetzbetreiber in internationalen Projekten zum Thema Regelleistung und Systemsicherheit unterstützt, können wir nur unterstreichen, dass die Systemsicherheit ganzheitlich und vor allem europäisch betrachtet werden muss. Zukünftige Sicherheitskonzepte auf nationaler Ebene müssen daher im Rahmen der EU und unter den europäischen Stromnetzbetreibern abgestimmt werden.

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