Kommentar: Kosten und Transformationspfade für strombasierte Energieträger

Quelle: Prognos (Mai 2020)

Strombasierte Energieträger stellen eine vielversprechende Möglichkeit zur Reduktion der Treibhausgasemissionen dar. Die Kosten für die Bereitstellung strombasierter Energieträger wie Wasserstoff sowie von gasförmigen und flüssigen Kohlenwasserstoffen liegen jedoch sowohl heute als auch langfristig deutlich über den Kosten für vergleichbare fossile Energieträger. Zudem gilt für alle strombasierten Energieträger, dass die Gesamtproduktionskette bisher nicht großtechnisch realisiert wurde. Die Studie analysiert die Frage, wie mögliche Transformationspfade für strombasierte Energieträger aussehen und mit welchen Kosten diese verbunden sind.

Mögliche Transformationspfade:

  1. Als erster Schritt erscheint der Einsatz in ausgewählten Bereichen des öffentlichen Verkehrs vielversprechend. In brennstoffzellengetriebenen Zügen und öffentlichen Bussen kann ein Einsatz von Wasserstoff relativ kostengünstig erfolgen. Die betroffenen, in der Regel staatlichen Unternehmen stehen nicht im Wettbewerb und sehen sich darüber hinaus zunehmend umweltpolitischen Vorgaben unterworfen. Als mögliches Förderinstrument bieten sich Investitionskostenzuschüsse an, die an die Nutzung von Wasserstoff aus zusätzlichen erneuerbaren Energien geknüpft sind.
  2. Der Einsatz strombasierten Wasserstoffs im Raffineriesektor ist ein weiterer vielversprechender Schritt. In diesem Handlungsfeld besteht mit der RED II bereits ein Instrument, das in seiner nationalen Umsetzung für eine entsprechende Anreizwirkung sorgen kann. Darauf aufbauen kann der Einsatz in weiteren Bereichen, wie der Ammoniakherstellung oder im Flugverkehr. In diesen Fällen müssten mögliche staatliche Instrumente jedoch die Energiemehrkosten entsprechend adressieren. Zudem müsste ein entsprechender Anreiz für den Einsatz strombasierter Energieträger in diesen Bereichen erreicht werden, wobei gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Unternehmen nicht gefährdet werden darf. Außerdem ist die Vereinbarkeit mit nationalen und europäischem Wettbewerbsrecht sicherzustellen.
  3. Die Stahlproduktion stellt insbesondere langfristig ein wichtiges Einsatzgebiet für strombasierten Wasserstoff dar, da dies die einzige auch langfristig nachhaltige Möglichkeit zur treibhausgasneutralen Stahlerzeugung ist. Da die notwendigen Mengen für die Umstellung größerer Werke jedoch schnell Größenordnungen annehmen können, die bis 2030 nicht inländisch produziert werden können, ist der großflächige Einsatz in der Stahlindustrie erst nach 2030 zu empfehlen.
  4. Der Einsatz von strombasierten oder biogenen Energieträgern für den Straßengüterverkehr kann eine Alternative zur momentan vielversprechenden Oberleitungsinfrastruktur darstellen – sollte in diesem Bereich aber, wenn überhaupt, erst nachgelagert erfolgen. Für eine abschließende Bewertung und Gegenüberstellung von Oberleitungsinfrastrukturen gegenüber Brennstoffzellen-Lkw besteht weiterer Forschungsbedarf.

Einordnung durch Janis Kaltschnee (Consultant, E-Bridge Consulting)

Die Analyse möglicher Pfade für strombasierte Energieträger zeigt auf, wie eine sinnvolle Transformation des Energiesystems gestaltet werden kann. In der zweiten Phase der Energiewende dienen strombasierte Energieträger als zentrales Element, da sie einen doppelten Nutzen für das Energiesystem besitzen. Mit einem flexiblen Betrieb der Elektrolyseure können einerseits wertvolle Systemdienstleistungen im Stromsektor bereitgestellt gestellt werden. Strombasierte Energieträger ermöglichen andererseits die Dekarbonisierung weiterer Verbrauchssektoren und leisten so einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz.

In welchen Verbrauchssektoren der Einsatz besonders vorteilhaft ist und wie eine Förderung ausgestaltet werden kann, stellt die Analyse ebenfalls dar. Um den Markthochlauf effizient zu gestalten und gleichzeitig Strom aus erneuerbaren Energieanlagen zu nutzen, bieten sich Konzepte an, die innovative Lösungen zulassen und zielgerichtet eingesetzt werden.

E-Bridge illustriert mit dem Konzept für eine kombinierte Ausschreibung von Wind Offshore-Parks und Elektrolyseuren, wie eine sinnvolle Lösung ausgestaltet werden kann. Auch in der weiteren Umsetzung kann die Entwicklung innovativer Ansätze einen Mehrwert für den regulatorischen Rahmen als auch für Erzeugungskonzepte auf Anwenderseite herstellen.

Ihr Ansprechpartner

Janis Kaltschnee »
Nachricht schreiben »
0228 909065-0

Profilbild von Janis Kaltschnee
Auf LinkedIn teilenAuf Xing teilenE-MailPrint

Relevante Referenzen

  Nach oben
Bitte schalten Sie JavaScript an, wenn Sie Google Analytics deaktivieren möchten.
Nachricht verbergen