Kommentar: Chancen und Herausforderungen beim Import von grünem Wasserstoff und Syntheseprodukten

Quelle: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Dezember, 2020)

Die politische Zielsetzung der Klimaneutralität in Deutschland und der EU bis 2050 verlangt eine völlige Abkehr von fossilen Brenn- und Kraftstoffen bis 2050. Dafür werden in diversen Anwendungen, wie in der Luft- und Schifffahrt, in der Grundstoffchemie und in Raffinerien, grüner Wasserstoff oder daraus erstellte grüne Syntheseprodukte wie Methanol oder Methan benötigt. Um Wasserstoff aus erneuerbarem Strom für den langfristigen deutschen Wasserstoffbedarf ausschließlich in Deutschland oder der EU zu produzieren, steht voraussichtlich nicht ausreichend erneuerbarer Strom in Deutschland zur Verfügung und der Wasserstoff wäre vergleichsweise teuer. Deshalb wird derzeit der Import von nachhaltig produzierten Energieträgern wie grünem Wasserstoff und Syntheseprodukten diskutiert. Die Idee ist, dass Regionen mit vorteilhaften Bedingungen für erneuerbare Energien kostengünstig nachhaltige Energieträger produzieren könnten. Ziel des Policy Briefes des Fraunhofer ISI ist, die über techno-ökonomische Fragen hinausgehenden Aspekte eines zukünftigen Wasserstoffimportes aufzuzeigen und zu diskutieren.

Die wichtigsten Thesen:

  1. Der Markt für grünen Wasserstoff und Syntheseprodukten wird voraussichtlich mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr betragen.
  2. Erneuerbare Ausbaupotenziale in Deutschland limitieren die heimischen Herstellungspotenziale für Wasserstoff.
  3. Der Import von grünem Wasserstoff und Syntheseprodukten ist technisch und ökonomisch attraktiv, der Aufbau von entsprechenden Produktions- und Transportkapazitäten ist allerdings zeit- und kapitalintensiv.
  4. Strategien für die neuen Importabhängigkeiten und Nachhaltigkeitskriterien in Produktionsländern müssen entwickelt werden.
  5. Eine ökonomische Marktattraktivität für Kapitalgeber muss geschaffen werden, gleichzeitig muss die Technologiesouveränität für Import- und Exportländer analysiert und sichergestellt werden.
  6. Die Wasserstoffwirtschaft muss in die übergreifenden Governance-Strukturen der Transformation des Energiesystems eingebunden werden.
  7. Die zukünftige Entwicklung von globaler Nachfrage und Angebot sowie eines internationalen Preises für Wasserstoff ist noch offen.

Einordnung durch Philipp-Matthias Heuser (Senior Consultant, E-Bridge Consulting)

Der Fraunhofer „ISI Policy Brief“ verdeutlicht, dass der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende und die einhergehende Erreichung der Klimaziele gegenüber einer reinen Stromwende erhebliche Vorteile aufweist. Die Autoren kommen zu der berechtigten Feststellung, dass der prognostizierte sektorübergreifende Energiebedarf selbst mit einer dringend notwendigen, massiven Steigerung des Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland kaum kosteneffizient zu decken sein wird. Deutschland wird also auch in Zukunft Energieimporteur bleiben. Die Autoren weisen zu Recht auf den hohen Zeit- und Kapitalaufwand für die Einführung klimaneutraler Energieträger hin. Dieser erfordert die frühe Schaffung eines regulatorischen Anreizsystems, um Marktbedingungen für Kapitalgeber sektorübergreifend attraktiver zu gestalten und einen frühen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft anzustoßen.

Zur Erreichung der Klimaziele 2030 und 2050 ist eine umfassende Infrastruktur für zertifizierten grünen Wasserstoff zu schaffen. Hierfür und für den notwendigen Import von CO2-freiem Wasserstoff fehlt bisher eine Vision für eine Netzwirtschaft mit Importterminals sowie Wasserstoffpipelines vom windreichen Norden in die Industriezentren im Süden. Kurzfristig kann die noch fehlende Nachfrage durch grauen Wasserstoff in Verbindung mit Emissionszertifikaten induziert werden. Die Technologiewahl liegt somit auf Seiten der Investoren, wird sich aber langfristig aufgrund des gegenläufigen Effekts von steigenden Zertifikatspreisen und sinkenden Technologiekosten hin zur Erzeugung von grünem Wasserstoff verschieben.

Eine belastbare Entscheidungshilfe für Investoren kann unter anderem der Hydex darstellen, ein von E-Bridge kürzlich entwickelter Preisindex für Wasserstoff in allen marktrelevanten Erzeugungsqualitäten. Gleichzeitig unterstützte E-Bridge diverse Pilotprojekte mit dem Ziel, in den aktuellen Rahmenbedingungen und Förderinstrumenten gezielt Wasserstoff in vielversprechenden Sektoren zu erzeugen. Gerade diese Projekte sind ein Schlüssel im effizienten Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft.

Siehe dazu ebenfalls:

https://www.e-bridge.de/2021/03/e-bridge-und-energate-veroeffentlichen-ersten-wasserstoff-preisindex-hydex/

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