Kommentar: Green PPAs – Säule des Erneuerbare-Energien-Ausbaus und zentrales Instrument zur Erreichung der Klimaschutzziele. Empfehlungen der Marktoffensive Erneuerbare Energien für die anstehende EEG-Novelle

Quelle: dena – Deutsche Energie-Agentur (März 2021)

Trotz Corona-Pandemie wurden im Jahr 2020 Green Power Purchase Agreements (PPAs) mit über neun Gigawatt (GW) Leistung abgeschlossen. Der Markt für langfristige Stromabnahmeverträge in Deutschland sollte sich zügig aus seinen Kinderschuhen hinaus zum Spitzenreiter in Europa entwickeln. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hemmt kurz- bis mittelfristig eine zügige breite Etablierung von PPAs. Mit dem EEG 2021 sollen bis 2027 Vorschläge gesammelt werden, wie weiterer Zubau von erneuerbarer Energie rein marktbasiert auskommen kann. Green PPAs werden eine zentrale Säule bilden, zurzeit für Altanlagen nach 20-jähriger Förderung und zukünftig auch bei Zubau aufgrund steigender Nachfrage nach grünem Strom. PPAs stellen damit eine Option zur Finanzierung da, zu deren Verbreitung die Marktoffensive Erneuerbare Energien regulatorische Anpassungen empfiehlt.

Die wichtigsten Thesen:

  1. Förderrichtlinien sollten so angepasst werden, dass Anreize entstehen, auf Green PPAs zuzugreifen und den PPA-Markt auszuweiten. Dadurch sollen Strompreiskompensationen auch für Unternehmen mit Bezug über Grünstrom PPAs gewährt werden können, die EU hat ihrerseits den Weg dafür freigemacht. Anschlussförderungen für aus der EEG-Förderung gelaufene Bestandanlagen sollen ausgeschlossen werden, um die Anzahl der verfügbaren Anlagen für den PPA-Markt zu erhöhen und PPAs stark zu etablieren. Mit gleicher Absicht zielt eine Rechtsanpassung innerhalb des EEGs, dass Projektobergrenzen für PV-Freiflächenanlagen nicht von 10 auf 20 MW erhöht werden sollen.
  2. Nach europäischer RED2 Richtlinie (Renewable Energy Directive) dürfen Mehrpersonenmodelle bei Eigenversorgung nicht diskriminiert werden. Entsprechend sollten „On-Site-PPAs“ einer Eigenversorgung gleichgestellt werden, um den EE-Ausbau zu beschleunigen. Dazu sollten solche Modelle wie im Stromsteuerrecht im räumlichen Zusammenhang ermöglicht und generell die Abgaben und Umlagen auf den Strompreis gesenkt oder anderweitig finanziert werden. Eine Steuersenkung ermöglicht einen schnelleren Umstieg auf Nutzung von Strom für Mobilität, industrielle Prozesse und Wärme, sollte aber schrittweise erfolgen. Strom aus PPA-Verträgen sollte zum Anreiz dieser in einem ersten Schritt von diesen Reformen profitieren.
  3. Herkunftsnachweise sollten vom System so weiterentwickelt werden, dass die Handelbarkeit erhöht und ein transparenter Markt geschaffen wird, somit können Herkunftsnachweise zu einer weiteren Einnahmenquelle werden.
  4. Zur Risikoabsicherung und Finanzierung sollte das Ziel sein, dass sich im Markt kommerzielle Lösungen wie Ausfallversicherungen oder Absicherung des Kontrahentenrisikos über ein Clearinghaus entwickeln können. Eine Abnahmegarantie des durch PPAs verkauften Stroms im Insolvenzfall des Abnehmers kann der Anlaufphase von PPAs helfen den Markt zu entwickeln.

Einordnung durch Andreas Gelfort (Senior Consultant, E-Bridge Consulting)

Der marktbasierte Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten und der Verzicht auf staatliche Förderung ermöglicht nicht nur einen effizienten Ausbau, sondern entfesselt auch die Innovationskraft zahlreicher Marktparteien. Die Gestehungskosten von Wind- und Solarstrom haben sich insbesondere bei Photovoltaik-Anlagen in den vergangenen Jahren signifikant verringert. Höhere Preise an den Strommärkten steigern die Anreize einer marktlichen Beschaffung von erneuerbarem Strom. Nach über 20 Jahren staatlicher Förderung durch das EEG sind die „Erneuerbaren“ marktreif geworden. Dies beinhaltet auch, diverse Risiken zukünftig selbst zu tragen. Deshalb unterstützt E-Bridge die Vorschläge und Forderungen der Marktoffensive Erneuerbare Energien.

Mit „Green“ PPAs lassen sich verschiedene Erfordernisse gleichzeitig erfüllen. Zum einen gewährleisten sie den Entwicklern und Betreibern der Anlagen die Finanzierbarkeit und Absatzsicherheit. Zum anderen begrenzen PPAs bei den „Offtakern“/Abnehmern das Strompreisrisiko und erlauben es den Unternehmen, Klima- und Nachhaltigkeitsziele direkt anzugehen. Ambitionierte Nachhaltigkeitsziele bekommen auch für Industrieunternehmen einen zunehmend höheren Wert. PPAs können als Instrument hier eine bedeutende Rolle spielen. Um die Anreize für eine marktbasierte Beschaffung weiter zu erhöhen, sollte Strom aus PPAs von der EEG Umlage befreit und nicht von der Strompreiskompensationen ausgenommen werden, wie es das Positionspapier fordert.

Auch die Forderung, Herkunftsnachweisen eine höhere Bedeutung einzuräumen, unterstützen wir ausdrücklich. Der Handel mit Nachweisen und Zertifikaten erneuerbarer Energieproduktion (HKN) ist seit Jahren auf europäischer Ebene etabliert und reguliert. Der länderübergreifende standardisierte Handel sorgt hier für einen höheren Wettbewerb, eine höhere Produktvielfalt und mehr Liquidität. Insbesondere mehr Anwendungen, die in der Zukunft erneuerbaren Strom nachfragen werden, wie Wasserstoff und Elektromobilität, könnten den jetzigen Wert und Preis der HKN deutlich erhöhen.

E-Bridge unterstützt Stromproduzenten und -abnehmer bei der Entwicklung von Dekarbonisierungsstrategien unter Einbeziehung von Wasserstoff, grünem Strom und erneuerbarem Gas. Dabei nimmt auch die Auswahl und Strukturierung geeigneter PPA-Optionen sowie die Beschaffung bzw. Vermarktung von HKN eine zentrale Rolle ein.

Der durch E-Bridge entwickelte Wasserstoffpreisindex „Hydex“, der täglich im Portal von Energate (https://www.energate-messenger.de) veröffentlicht wird, dient dabei als wichtige Bezugsgröße.

Siehe dazu ebenfalls:

E-Bridge’s H2-Barometer (Ausgabe 01/21)

Pressemitteilung Wasserstoff-Preisindex „Hydex“

Ihr Ansprechpartner

Andreas Gelfort »
Nachricht schreiben »
0228 909065-0

Profilbild von Andreas Gelfort
Auf LinkedIn teilenAuf Xing teilenE-MailPrint

Relevante Referenzen

  Nach oben
Bitte schalten Sie JavaScript an, wenn Sie Google Analytics deaktivieren möchten.
Nachricht verbergen