Kommentar: dena-Netzstudie III

Quelle: dena – Deutsche Energie-Agentur (Januar 2022)

In einem breiten Stakeholderdialog wurden seit 2018 der Bedarf und die Möglichkeit zur Weiterentwicklung der Planung der Energieinfrastruktur untersucht. Auf dem Weg zu einem klimaneutralen Energiesystem ist besonders im Energiesektor ein tiefgreifender Wandel mit der Abkehr von fossilen Energieträgern notwendig, welcher starke Veränderungen insbesondere auch auf die Infrastruktur und deren Planung bedingt. Ziel ist ein integriertes Gesamtsystem mit Strom-, Gas- (Erdgas und Wasserstoff) und Wärmenetzen. Im Folgenden werden notwendige Anpassungen vorgestellt:

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Um Anforderungen eines klimaneutralen Energiesystems zu erfüllen, ist die integrierte Planung aller Energieinfrastrukturen erforderlich. Infrastrukturplanungsprozesse und Zielbilder sind bisher unzureichend aufeinander abgestimmt, so dass Vorteile derzeit nicht genutzt werden können. Zur Optimierung über Systemgrenzen ist eine Gesamtbetrachtung aller leistungsgebundenen Energienetze erforderlich, welche durch einen vorgelagerten Systementwicklungsplan (SEP) erzielt werden kann.
  • Der Systementwicklungsplan-Prozess ergänzt bisherige Planungsprozesse der Energieinfrastruktur mit dem Ziel eines einheitlichen, abgestimmten Rahmens. Zentrale Aufgabe ist es zu verdeutlichen, auf welche Anforderungen sich Energieinfrastrukturen vorbereiten müssen. Er soll einen gesellschaftlichen Diskurs zur Entwicklung unseres Energiesystems einbeziehen, Optimierungspotenziale vernetzter Energiewelt aufzeigen, politische Entscheidungen unterstützen und somit eine konsistente Grundlage für bestehende Planungsprozesse schaffen.
  • Die Ergebnisse des SEP stellen eine Empfehlung für die Politik und eine Orientierung für die Unternehmen dar. Sie besteht aus einem Leitbild, diversen Ankerpunkten und einer Strategie.
      • Das Leitbild benennt notwendige Entwicklungsschritte zu einem klimaneutralem Energieversorgungsystem.
      • Die Ankerpunkte sind quantitative Empfehlungen und Zielgrößen (Zubau Erneuerbarer Energien, Importmengen, etc.).
      • Die Strategie spricht Umsetzungsempfehlungen samt begründetem Maßnahmenkatalog an die Politik aus.
  • Für die Leitwirkung auf Planungsprozesse muss der SEP politisch legitimiert und bindend sein. Es wird dazu eine Verankerung im EnWG mit vierjährigem Zyklus empfohlen. Erste Ergebnisse könnten bei zeitnaher Umsetzung bis 2024 verfügbar sein und in den NEP-Prozess einbezogen werden.
  • Die Weiterentwicklung der Netzentwicklungsplan-Prozesse (NEP) ist voranzutreiben, um einheitliche Größen für definierte Zieljahre (z.B. 2045) und Szenarien entwickeln zu können. Z.B. ist das NEP-Gas um ein t+15-Szenario zu erweitern, damit Strom- und Gasnetz gemeinsame Annahmen erhalten. Insbesondere für die Planung plausibler Transformationspfade sind zusätzlich kurzfristige Szenarien notwendig, auch um die Wasserstoffinfrastruktur zeitnah etablieren zu können.
  • Infrastrukturplanungen sind nicht nur im Transportnetz erforderlich, sondern sollten integriert mit dem Verteilnetz erfolgen. Ergebnisse des SEP dienen dabei als Orientierung und Gesamtstrategie zur Entwicklung der Transport- und Verteilnetze. Um das übergeordnete Leitbild in eine gemeinsame Energieplanung zu überführen, sollten regionale Cluster aus benachbarten Verteilnetzen (in Strom-, Gas- und Wärmenetzen) gebildet werden. Zur Vermeidung von Konflikten sollten angepasste Strukturen geschaffen werden, um einen Ausgleich zwischen konkurrierenden Interessen zu schaffen.
  • Die Ausgestaltung des Marktdesigns hat großen Einfluss auf den Infrastrukturbedarf. Um den Herausforderungen durch fluktuierende erneuerbare Stromerzeugung gerecht zu werden, sollte ein schnellerer Netzausbau und die Aktivierung von Flexibilitäten hohe Priorität bekommen. Stromnetzentgelte sollten den netzdienlichen Einsatz von Flexibilitäten und räumliche Allokation von Erzeugung und Last unterstützen und daher reformiert werden. Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit sollte eine Nachfolgeregelung bestehender Reservemechanismen gefunden werden, die auf die Klimaneutralität ausgerichtet sind, z.B. strategische Reserven oder ein fokussierter bzw. selektiver Kapazitätsmarkt.

Einordnung durch Dr. Baris Özalay (Principal Consultant) und Tuncay Türkucar (Managing Director)

Die Erstellung eines integrierten Systementwicklungsplans (SDP), der sich auf die gemeinsame Entwicklung des Energiesektors konzentriert, ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende. E-Bridge hat bereits 2018 gemeinsam mit der TenneT TSO GmbH eine Studie veröffentlicht („Innovationen im Netzentwicklungsplan“) und Weiterentwicklungen des aktuellen Netzentwicklungsplans gefordert, um u.a. auch die gesamtsystemische Komponente besser zu berücksichtigen. Daher unterstützt E-Bridge das Ziel eines integrierten Energiesystems mit Strom-, Gas- (Erdgas und Wasserstoff) und Wärmenetzen sowie die in der Studie beschriebenen Anpassungen.

E-Bridge hebt insbesondere drei zentrale Forderungen an ein zukünftig integriertes Energiesystem heraus:

  1. Für ein Systementwicklungsplan empfehlen wir eine weitergehende grenzüberschreitende europäische Zusammenarbeit, um mögliche Synergien in den Bereichen Onshore, Offshore, Wasserstoff sowie Industriepolitik zu erschließen. Ein grenz- und sektorübergreifender Systementwicklungsplan (SDP), der einen gemeinsamen Prozess und eine einheitliche Governance für die gemeinsame Entscheidungsfindung auf regionaler Ebene umfasst, kann aus Sicht von E-Bridge eine Systemoptimierung der Strom- und Gas-/Wasserstoffnetze ermöglichen.
  2. Für das Onshore-Netz empfehlen wir eine abgestimmte grenzüberschreitende Raumplanung sowie Entwicklungsstrategien mit Schwerpunkt auf der Gewährleistung von Versorgungssicherheit und Flexibilität. Für das Offshore Netz empfehlen wir auch abgestimmte grenzüberschreitende Raumordnungs- und Entwicklungsstrategien mit Schwerpunkt auf der Erschließung von Größenvorteilen (koordinierte Ausschreibungen, optimierte Netzanschlüsse) sowie gemeinsame technische Standards.
  3. Für die Wasserstoffindustrie und die Sektor-Kopplung empfehlen wir eine gemeinsame grenzüberschreitende Planung und Infrastrukturentwicklung entlang der Wertschöpfungskette: H2-Produktionsanlagen (offshore/im Ausland), Importinfrastruktur (Terminals) und -speicherung, grenzüberschreitende Pipelines unter Nutzung bestehender Gasinfrastruktur sowie gemeinsame technische Standards.

Falls Sie ähnliche Frage- bzw. Problemstellungen bewegen, kommen Sie sehr gerne auf uns zu, um von unserem umfangreichen Beratungsportfolio zu profitieren.

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